Uhrensammlung Kellenberger

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21. März bis 15. November 2017

Gastspiel: Achteckige Astronomische Wanduhr aus Zug

Astronomische Wanduhr, Beat Jacob Brandenberg, Zug, zweite Hälfte 17. Jahrhundert
Leihgabe: Schweizerisches Nationalmuseum

Eine herausragende Schweizer Uhr
Dieses aussergewöhnliche Meisterstück ist nicht nur in technischer Hinsicht eine Rarität, sondern auch bestechend in seiner äusseren Gestaltung. Der achteckige, profilierte Holzrahmen der Uhr, der mit Schildpatt- und Zinneinlagen versehen ist, zeigt die exzellente Arbeit eines sehr guten Kunstschreiners.

Diese Form von Wanduhren dürfte sich aus dem französischen Dekorations-Stil zur Zeit Louis XIV entwickelt haben und erschien im 17. Jahrhundert erstmals in der Schweiz. Achteckige Wanduhren waren in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts beliebt. Es war damals wichtig für die Ausgestaltung eines repräsentativen Herrschaftsraumes eine Wanduhr im gleichen Stil wie das Mobiliar zu haben. Unter dem Einfluss des Spätbarocks änderte sich der Geschmack der gutsituierten Käufer, und damit der Stil der Uhren. Runde oder ovale Wanduhren mit ländlichem Charakter, die sogenannten Oeil-de-Boeuf (franz. «Ochsenaugen»), waren im ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhundert beliebt. Produziert wurden sie vor allem in Frankreich. Vielleicht waren die achteckigen Wanduhren aus der Schweiz des 17. Jahrhunderts eine Inspiration für die Entstehung der Oeil-de-Boeuf.

Die Anzeigen
Das Zifferblatt aus Kupfer ist mit einem auf einer Wolke sitzendem Chronos (dem griechischen Gott für die Zeit) bemalt. Der unvollständige Zifferring besteht nur einem Halbkreis. Ein schlanker, gebläuter Pfeilzeiger durchläuft diesen Zahlenhalbkreis von sechs Uhr morgens bis sechs Uhr abends und springt dann wieder in die Ausgangsstellung zurück. In zwei Sektor förmigen Ausschnitten auf dem Zifferblatt sind zusätzliche Anzeigen untergebracht: links die Mondphasen und das Mondalter, rechts die Wochentage, dargestellt durch Portraits und Symbole der korrespondierenden Planeten. Auf dem kleinen, silbernen Zifferblatt weist der Zeiger mit Sonne auf den Monat und die Stellung der Sonne im Tierkreis. Der schlanke Mondzeiger deutet auf das Tierkreiszeichen, in dem der Mond steht, und zeigt ausserdem dessen Gradeinteilung. Die Tages- und Nachtlängen werden mit der kurzen Rückseite des Sonnenzeigers angegeben.

Der Uhrmacher
Beat Jacob Brandenberg (1646–1729) gilt als einer der bedeutendsten Zuger Uhrmacher seiner Zeit. Er war Klein- und Grossuhrmacher und hatte seine Werkstatt «Unter der Linden» am Kolinplatz in Zug. Ab 1674 bekleidete er neben seiner Arbeit auch politische Ämter und wurde schliesslich Mitglied im Grossen Rat. Brandenberg fertigte auch eiserne Wanduhren, darunter eine Uhr mit kalendarischen Anzeigen. Konsolenuhren mit seiner Signatur, aufgemalt auf dem Zifferblatt, sind ebenfalls bekannt. Bei den Konsolenuhren handelt es sich um den letzten Typus der spätgotischen, offenen Hausuhren.